Ein Kampf für die Freiheit
Der Zug nach Koburg im Oktober 1922
von ADOLF HITLER
„Völkische" Verbände beabsichtigten in Koburg einen sogenannten „Deutschen Tag" abzuhalten. Ich selbst erhielt eine Einladung hierzu mit dem Vermerk, daß es erwünscht wäre, wenn ich noch einige Begleitung mitbrächte. Dieses Ersuchen, das ich vormittags um elf Uhr in die hand erhielt, kam mir sehr gelegen.
Schon eine Stunde später waren die Anordnungen zu einem
Besuch dieses „Deutschen Tages" hinausgegeben. Als „Begleitung"
bestimmte ich achthundert Mann der SA, die in ungefähr vierzehn
Hundertschaften von München aus durch Sonderzug nach dem bayrisch
gewordenen Städtchen befördert werden sollten. Entsprechende
Befehle gingen an nationalsozialistische SA-Gruppen, die unterdes
an anderen Orten gebildet worden waren, hinaus.
Es war das erstemal, daß in Deutschland ein derartiger Sonderzug
fuhr. An allen Orten, an denen neue SA-Leute einstiegen, erregte
der Transport größtes Aufsehen. Viele hatten unsere Fahnen noch nie
vorher gesehen; der Eindruck derselben war ein sehr großer.
Als wir in Koburg auf dem Bahnhof eintrafen, empfing uns eine
Deputation der Festleitung des „Deuschen Tages", die uns einen als
„Vereinbarung" bezeichneten Befehl der dortigen Gewerkschaften
beziehungsweise der Unabhängigen und Kommunistischen Partei
übermittelte, des Inhalts, daß wir die Stadt nicht mit entrollten
Fahnen, nicht mit Musik (wir hatten eine eigene zweiundvierzig Mann
starke Kapelle mitgenommen) und nicht in geschlossenem Zuge
betreten dürften.
Die SA werde in die Stadt marschieren
Ich lehnte diese schmählichen Bedingungen sofort glatt ab, versäumte aber nicht, den anwesenden Herren der Leitung dieser Tagung mein Befremden darüber auszudrücken, daß mit diesen Menschen Verhandlungen gepflogen und Abkommen getroffen würden, und erklärte, daß die SA augenblicklich in Hundertschaften antreten und mit klingender Musik und wehenden Fahnen in die Stadt marschieren werde.
So geschah es dann auch.
Schon auf dem Bahnhofsplatz empfing uns eine nach vielen Tausenden zählende, grölende und johlende Menschenmenge. „Mörder", „Banditen", „Räuber", „Verbrecher", waren die Kosenamen, mit denen uns die vorbildlichen Begründer der deutschen Republik liebreich überschüttelten. Die junge SA hielt mustergültige Ordnung, die Hunderschaften formierten sich auf dem Platz vor dem Bahnhof und nahmen zunächst von den Anpöbelungen keine Notiz.
Durch ängstliche Polizeiorgane wurde der abmarschierende Zug in der für uns alle ganz fremden Stadt nicht, wie bestimmt, in unser Quartier, eine an der Peripherie Koburgs liegende Schützenhalle, sondern in den Hofbräuhauskeller, nahe dem Zentrum der Stadt, geleitet. Links und rechts vom Zuge nahm das Toben der begleitenden Volksmassen immer mehr zu.
Da mußte endlich Front gemacht werden
Kaum daß die letzte Hundertschaft in den Hof des Kellers einbogen war, versuchten auch schon große Massen, under ohrenbetäubendem Geschrei nachzudrücken. Um dies zu verhüten, schloß die Polizei den Keller ab. Da dieser Zustand ein unerträglicher war, ließ ich nun die SA noch einmal antreten, ermahnte sie kurz und forderte von der Polizei die augenblickliche Öffnung der Tore. Nach längerem Zögern kam sie dem auch nach.
Wir marschierten nun den Weg, den wir gekommen waren,
wieder zurück, um zu unserem Quartier zu gelangen, und da mußte nun
allerdings endlich Front gemacht werden.
Nachdem man durch Schreien und beleidigende Zurufe die
Hundertschaften nicht aus der Ruhe hatte bringen können, griffen
die Vertreter des wahren Sozialismus, der Gleichheit und
Brüderlichkeit, zu Steinen. Damit war unsere Geduld zu Ende, und so
hagelte es zehn Minuten lang links und rechts vernichtend nieder,
und eine Viertelstunde später war nichts Rotes mehr auf den Straßen
zu sehen.
Nachts kam es noch zu schweren Zusammenstößen, Patrouillen der SA hatten Nationalsozialisten, die einzeln überfallen worden waren, in gräßlichem Zustande aufgefunden. Daraufhin wurde mit den Gegnern kurzer Prozeß gemacht. Schon am nächsten Morgen war der rote Terror, unter dem Koburg schon seit Jahren gelitten hatte, niedergebrochen.
Die Befreiung Koburgs
Mit echt marxistisch-jüdischer Verlogenheit versuchte man
nun durch Handzettel die „Genossen und Genossinen des
internationalen Proletariats" noch einmal auf die Straße zu hetzen,
indem man, unter vollständiger Verdrehung der Tatsachen,
behauptete, daß unsere „Mordbanden" den „Ausrottungskrieg gegen
friedliche Arbeiter" in Koburg begonnen hätten. Um halb zwei Uhr
sollte die große „Volksdemonstration", zu der man Zehntausende von
Arbeitern aus der ganzen Umgebung erhoffte, stattfinden.
Ich ließ deshalb, fest entschlossen den roten Terror endgültig zu
erledigen, um zwölf Uhr die SA antreten, die unterdes auf fast
eineinhalbtausend Mann angeschwollenen war, und setzte mich mit ihr
in Marsch zur Feste Koburg, über den großen Platz, auf dem die rote
Demonstration stattfinden sollte. Ich wollte sehen, ob sie es noch
einmal wagen würden, uns zu belästigen.
Als wir den Platz betraten, waren anstatt der angekündigten
Zehntausend nur wenige Hundert anwesend, die bei unserem Nahen sich
im allgemeinen still verhielten, teilweise ausrissen. Nur an
einigen Stellen versuchten rote Trupps, die unterdessen von
auswärts gekommen waren und uns noch nicht kannten, uns wieder
anzustänkern; aber im Handumdrehen wurde ihnen gründlich die Lust
dazu genommen.
Und nun konnte man sehen, wie die bisher ängstlich eingeschüchternte Bevölkerung langsam aufwachte, Mut bekam, durch Zurufe uns zu begrüßen wagte und abends bei unserem Abzug an vielen Stellen in spontanen Jubel ausbrach.
Der Zug fährt pünktlich ab
Plötzlich erklärte uns am Bahnhof das Eisenbahnpersonal, daß es den Zug nicht fahren würde. Ich ließ darauf einigen Rädelsführern mitteilen, daß ich in diesem Falle zusammenzufangen gedächte, was mir an roten Bonzen in die Hände fiele, und daß wir dann eben selbst fahren würden, allerdings auf Lokomotive und Tender und in jedem Wagen ein paar Dutzend von Brüdern der internationalen Solidarität mitzunehmen vorhätten.
Ich versäumte auch nicht, die Herren darauf aufmerksam zu
machen, daß die Fahrt mit unseren eigenen Kräften
selbstverständlich ein unendlich riskantes Unternehmen sein würde
und es nicht ausgeschlossen wäre, daß wir uns alle zusammen Genick
und Knochen brächen. Freuen würde uns aber, dann wenigstens nicht
allein, sondern in Gleichheit und Brüderlichkeit mit den roten
Herrschaften ins Jenseits zu wandern.
Daraufhin fuhr der Zug sehr pünktlich ab, und wir kamen am
nächsten Morgen wieder heil in München an.
In Koburg wurde damit zum ersten Male seit dem Jahre 1914 die
Gleihheit der Staatsbürger vom dem Gesetz wiederhergestellt. Denn
wenn heute irgendein gimpelhafter höherer Beamter sich zu der
Behauptung versteigt, daß der Staat das Leben seiner Bürger
beschütze, dann traf dies für damals jedenfalls nicht zu; denn die
Bürger mußten sich in jener Zeit vor den Repräsentanten des
heutigen Staates verteidigen.
Aus Mein Kampf, s. 614-617